Paraguay 2019


Einstiegsseite |  Karten |  Reise 2003 |  Reise 2009 |  Reise 2011 |  Reise 2018 |  diese Seite |  Fakten 

Im April gibt es einen hohen runden Geburtstag

Jumbo Jet der Lufthansa nachts am Flughafen Frankfurt
Frankfurt/Main
gleiche Zeit, gleiches Wetter, gleicher Flugzeugtyp wie im Dezember
Samstag, 6.4. Wieso entsteht hier keine 100 Tage nach meinem letzten Aufenthalt schon wieder neuer Inhalt?
Hat der Mann denn keine anderen Hobbies?
Oder zuviel Geld?
Möglicherweise erhebliche Mengen Resturlaub?
Oder ist er Black Member irgendeiner Fluggesellschaft?

Die Antwort auf alle diese Fragen ist nein!

Mein Schwiegervater wird kurz vor Ostern 90 Jahre alt und da ist die Anwesenheit natürlich Pflicht.
Die 3 Monate seit der Rückkehr sind so schnell vergangen und waren so arbeitsintensiv, ich werde es ab heute langsamer angehen lassen.
Die Anfertigung des Geburtstagsfilmes für Cecilia war ein echtes Zeitgrab. Das zweite Kamerateam hat mir nur die Hälfte seines Materials zukommen lassen, was mir im Dezember mangels Sichtmöglichkeit vor Ort leider verborgen blieb.
Mal sehen, wie die Vorführung heute abend ankommt. Nachtrag: mangels Interesse fiel das Kino aus.
Die Koffer haben wir vor der Abreise mehrfach umgepackt, da es sowohl Platz- als auch Gewichtsprobleme gab.
Jetzt sitze ich hier auf dem Bett neben meinem kleinen ferngesteuerten Piccolo Hubschrauber mit allem Zubehör, welches fürs Fliegen erforderlich ist.
Die Fluglinie hat zumindest meinen Koffer offensichtlich sehr unsanft behandelt: die stabile Holztransportkiste für das Modell hat deutliche Schäden erhalten. Das Modell darin ist jedoch unbeschädigt.
Es befinden sich noch weitere relativ unübliche Gegenstände in den Koffern, doch dazu später mehr.
Zuerst einmal wird aber jetzt die reparierte Funkuhr wieder auf ihrem Platz in Betrieb genommen.

Die folgenden technischen Ausführungen haben keinen Unterhaltungswert:
Um Mitternacht gab es den zweiten Week-Rollover seit das GPS-System existiert.
Die Satelliten übertragen das Datum als fortlaufende Wochennummer, aus welchem sich der Empfänger bei Bedarf das Datum errechnen muss.
Die Zählung beagnn mit der nullte Woche im Jahr 1980 und das Datemformat von 10 Bit erlaubt bis 1023 zu zählen.
Das ergibt alle rund 19,5 Jahre einen Überlauf.
Nicht immer kommt ältere Receiversoftware damit zurecht und gibt dann ein falsches Datum aus, so auch der seit 2006 hier laufende Jupiter-Empfänger.
Das ist nicht nur unschön, sondern verhindert leider auch die automatische Sommerzeitumstellung der Uhr.
Der Globalsat®-Empfänger, der heute installiert werden soll, ist auch schon etwas älter und da ich solch einen Rollover nicht testen kann war ich einigermaßen gespannt, ob gleich die richtige Zeit und vor Allem das richtige Datum in der Anzeige erscheinen.
Nach 37 Minuten TTFF (Time to first Fix; Zeit nach dem Einschalten des Empfängers bis genügend Satelliten gesehen und Daten gelesen wurden, um valide Werte auszugeben) kommt die Erlösung:
alle Daten sind gültig und plausibel.

Fast hätte mich eben der erste Weg hier im Land schon wieder in ein Eisenwarengeschäft geführt: ich habe vergessen Schrauben für den Umbau der Funkuhr in Chile mitzubringen. Nachtrag: die chilenische Uhr ist vor 8 Jahren schon modernisiert worden. Aber da springt Schwiegervater in die Presche: "Da kann ich aushelfen. Ich habe noch das ganze Sortiment Schrauben und Muttern das du mal hier deponiert hast."
Dann war das damals doch nicht ganz vergebens, hihi.
Gleich müssen wir unsere Koffer erneut packen, denn wir reisen morgen früh wieder ab.

"WAS? Nach 24 Stunden in Südamerika schon wieder abreisen?

Also doch zuviel Geld, Lufthansa Platin-Kunde oder sonst was!
Nein!
Da wir bis zum Geburtstag und bis zum Osterfest noch etwas Zeit übrig haben, bekommen unsere chilenischen Trauzeugen in Viña del Mar ab morgen Besuch von uns. Das sind schließlich nur 3 Stunden Flug und nach 8 Jahren darf man sie auch mal wieder besuchen.
Ich melde mich dann von der Pazifikküste wieder ihr Lieben.
Gute Nacht.
Oh, da erreicht uns gerade eine Email der Fluglinie: der Flug morgen startet eine Stunde später. Nun ja, eine Stunde mehr Schlaf wäre wirklich nicht nötig gewesen, habe ich doch noch 6 Stunden Jetlag zu meinen Gunsten abzubauen.
2 Bordkarten mit handschriftlichen Markierungen liegen auf dem Laptop
Bordkarten für den Flug nach Chile
Sonntag, 7.4. Pünktlich am Flughafen angekommen erreicht uns die nächste nette Email der Airline:
Die Abflugzeit ist nun doch wieder eine Stunde vorverlegt.
Na schön, dann verbleibt nicht so viel Wartezeit, bis zum Einsteigen. Der Flughafen ist auch nicht der schönste.
Angesichts der Schlange vor den Schaltern, die bis auf die Straße reicht erhöht sich mein Blutdruck nun allerdings geringfügig und zum Glück ist hier kein Personal anzutreffen, welches sich auskennt, Verantwortung übernimmt oder uns nett zuredet.
Das vermeidet einen internationalen Zwischenfall.
Es bleibt uns überlassen, uns freundlich in der Schlange vorzuarbeiten.
Nachdem ich 20 Minuten später gemütlich vor dem Gate sitze und auf das Boarding wartend diese Zeilen niederschreibe, hat anscheinend auch das Flughafenpersonal Handlungbedarf erkannt und trifft hektisch entsprechende Maßnahmen, die sich in lauten Lautsprecherdurchsagen manifestieren.

Der Flughafen Santiago de Chile ist seit unserem letzten Aufenthalt erheblich erweitert worden und befindet sich immer noch im Umbau.
Die Anden habe wir innerhalb von nur 10 Minuten überquert doch nach der Landung benötigt das Flugzeug noch eine Viertelstunde um über verschiedene Rollwege bis zum Gate zu gelangen. Wir Passagiere laufen dann auch nochmal gut einen Kilometer innerhalb des Gebäudes bis wir zur Passkontrolle gelangen.
Das Wetter ist bestens und wir genießen anschließend die einstündige Fahrt Richtung Küste.
Kurz vor dem Ziel in Viña del Mar zieht leider Nebel auf, so dass ich wohl bis morgen warten muss um einen Blick auf den Pazifik zu erhaschen.
Die Begrüßung ist stürmisch, das Essen reichlich und vorzüglich und wir erzählen bis tief in die Nacht.
steile Straße, die sich bargauf zwischen bunten Häusern verläuft
unterwegs im Cerro Concepción
Montag, 8.4. Meine Frau und ich schlendern durch den Cerro Concepción und Cerro Allegre, wo wir uns 1994 kennengelernt haben. Gelegentlich scheint die Sonne mal durch die Wolkendecke.
Die Schrägaufzüge sind mitlerweile mit modernen Sicherheitseinrichtungen ausgestattet, die Bäumchen zwischen den Gleisen entfernt und die Berg- und Talstationen im Rahmen des Denkmalschutzes aufwendig saniert worden. So ausgestattet genügen die über 100 Jahre alten Maschinen wieder aktuellen Vorschriften und dürfen erneut in Betrieb gehen. Wie sich das auf den Fahrpreis auswirkt, wissen wir nicht.
Wir fragen daher an der Talstation des Ascensor Concepción mal vorsichtig nach dem Preis für einen Fahrschein bergwärts:
"Das ist kostenlos! Wir führen heute Justagearbeiten an der Anlage aus und verlangen daher kein Geld."
"Und wie lange gilt das Angebot?
Bis ganz oben?
Kommen wir auch wieder kostenlos herunter?
Kann denn bei den Probefahrten nichts passieren?"
Wer die Chilenen kennt, fragt da lieber vorher einmal nach. Smilie
"Nein, nein, das Angebot hat keine Haken."
Wir steigen ein.
Geliebtes Valparaíso - warum kümmert sich niemand um dich?
Ich sehe kaum Einheimische hier oben in den Cerros, dafür umso mehr Touristen.
Wo damals Bäckerei, Kiosk, Eisen- und Gemischtwarenladen waren befinden sich jetzt Galerien, Restaurants, Hosteles, Bars und Boutiquen. Alles ist so bunt wie in Disneyland, überall laufen knipsende Touristen herum und werden Souvernirs feilgeboten.
Es ist mindestens so schlimm, wie bei meinem Besuch 2011.
Wieder unten im ebenen Teil (dem "Plan") angekommen mache ich mich auf den Weg zum Hafen: es stinkt an jeder Ecke nach Urin und die Abgase des Straßenverkehrs steigen beißend die Nase herauf. Jeder freie Fleck auf dem Gehweg ist durch fliegende Händler besetzt.
Warum ich das alles in einem beinahe anklagenden Ton erwähne?
Ist das nicht die normale Situation in einer südamerikanischen Stadt?
Nein, vor 24 Jahren traf das alles hier nicht zu! Die Stadt verändert sich leider zu ihrem Nachteil.

"Liebes Valpo,
du warst einmal fast mein Wohnzimmer.
Ich durfte insgesamt ein halbes Jahr hier wohnen und ich fühlte mich wie zu Hause.
Pass auf, dass man dir wenigstens den Weltkulturerbestatus nicht aberkennt!"

breite Sandpiste mit niedrigen Holzhäusern auf der linken Strassenseite
Hauptstrasse von Punta de Choros
Dienstag, 9.4. Bei Nieselregen geht es noch vor Sonnenaufgang mit dem Fernbus rund 500 km nach Norden.
Ab La Serena fahren wir die letzten 140 km mit dem Mietwagen nach Punta de Choros.
Lange nach Sonnenuntergang erreichen wir das kleine Fischerdorf im Süden der Atacama.
Es soll hier viele Unterkünfte für Touristen geben, doch wir sehen keine: es gibt kaum Strassenbeleuchtung, alles ist dunkel.
Am Hafen hat noch ein Imbiss geöffnet, der uns mit etwas Essbarem versorgt und uns den Hinweis gibt, wo wir zu Fuß nach einem Ferienhaus suchen sollen.
ein gelbes mit Reusen beladenes Fischerboot liegt auf dem Trockenen vor einem Berg aus Muschelschalen
in einer Ecke des Hafens verottet nicht mehr Benötigtes
Mittwoch, 10.4. Punta de Choros besitzt keine Tankstelle, keinen Supermarkt und keinen Geldautomaten aber einen kleinen Tante-Emma-Laden.
Es gibt hier Cabañas (kleine Appartements/Ferienhäuser) wo man das Dach öffnen und dann unter dem Sternenhimmel schlafen kann. Die Dinger erinnern äußerlich mit ihrer weißen Kuppelform an ein Observatorium.
Die Bedingungen sind hier zur Himmelsbeobachtung ausgezeichnet, weshalb sich nicht weit entfernt im Landesinnern eine Anzahl bekannter Observatorien befindet.
Wir habe jedoch eine herkömmliche Unterkunft bezogen.
Die Saison ist vorbei, die Mehrheit der Touristen schon lange abgereist und im Hafen möchte man uns zu einer Ausfahrt überreden: bei der Insel "Las Damas" sei eine große Gruppe Delfine heimisch. Weiters gäbe es dort Seelöwen und Pinguine zu sehen und das wo wir uns auf 29 Grad südlicher Breite befinden und damit gleichweit vom Äquator entfernt sind wie z.B. Kairo.
Wir verschieben das auf, vielleicht, morgen.
Später erfahren wir, dass die Zeit für Tiersichtungen im schon Februar endet. Die Fischer haben nicht viele Fische in den Netzen. Dafür umso mehr Krabben. Um diese, ohne das Netz zu beschädigen, zu entfernen werden ihnen kurzerhand die Scheren und teilweise die Beine abgerissen. Manches landet zur weiteren Verwendung in Eimern, das meiste wird, lebendig aber zum Tode verurteilt, einfach weggeworfen. Ich verstehe das nicht. Mit Nachhaltigkeit hat das jedenfalls nichts zu tun.
eine Gruppe Seevögel steht auf einem Felsen hoch über dem Meer und sieht richtung offene See
die Vögel suchen die See nach Essbarem ab
Wir gehen an einem bemerkenswerten großen Berg Muschelschalen vorbei Richtung Klippen. Zoologisch gesehen handelt es sich um Schneckengehäuse, die aber rein äußerlich nicht dem gewohnten Bild eines Schneckengehäuse ähneln. Jedes dieser Tiere wurde einzeln von Tauchern aus der Tiefe geholt, bevor sie im Kochtopf endeten.
Vor langer Zeit einmal belauschte ich ein Gespräch mit einem ehemaligen Muscheltaucher im Süden Chiles. Im hatte während eines Tauchganges ein Seelöwe den Unterarm abgerissen. Seitdem betrieb er eine Bar.
Vom Leuchtfeuer hat man eine gute Sicht auf einen großen Schwarm Seevögel. Im Fressrausch stürzen hunderte Tiere ins Wasser um dort Fische zu erbeuten. Nach einem langen Strandspaziergang geht es ohne im Wasser gebadet zu haben in ein Restaurant, wo wir genau die Schnecken (man nennt sie hier "Locos") essen, deren Berg von Gehäusen am Morgen meine Aufmerksamkeit weckte. Nachtrag: die Tiere sind überfischt und stehen unter Schutz. Unter Auflagen dürfen sie gefangen werden.
mit frischem Fisch und Meeresfrüchten gedeckter Mittagstisch
Meeresfrüchteplatte für 2 Personen
Donnerstag, 11.4. Bevor wir uns auf der Panamericana Richtung Süden nach Coquimbo aufmachen fülle ich noch etwas Sand aus der Wüste in ein Tütchen. Das wird später die Sammlung einer Freundin erweitern.
Coquimbo hat nicht allzuviel zu bieten: ein riesiges begehbares Betonkreuz, "Cruz del Tercer Milenio", am höchsten Punkt der Stadt, ein paar lange Sandstrände allesamt gesäumt von Hochhäusern und 2 Häfen. Einen um die Erze aus den Minen der Umgebung wegzuschaffen und einen für die Fischerei. Hier lassen wir es uns mittags schmecken.
Nach Sonnenuntergang gelingt es mir den Leihwagen unbeschädigt durch den Berufsverkehr zum Übergabeplatz zu bringen.
Um Mitternacht besteigen wir den Nachtbus nach Viña.
Es folgen 7 sehr unbequeme Stunden. Irgendwann in der Nacht wache ich auf und frage beim Personal mal vorsichtig nach, wann sie denn gedenken die Lüftung in Betrieb zu nehmen. Es sind bestimmt 30 °C hier drin, ich kann kaum atmen und an den Fenstern rinnen dicke Wassertropfen herunter.
Wortlos betätigt der Angestellte den entsprechenden Schalter.
Gedankenlosigkeit oder fährt er sonst Vieh durch die Gegend?
Sonnenuntergang hinter einer Halbinsel auf deren höchstem Punkt ein großes Kreuz steht
das über 80 Meter hohe "Kreuz des dritten Jahrtausends" in Coquimbo
Freitag, 12.4. Um kurz vor 8 Uhr liege ich endlich im heimischen Bett und kann den versäumten Schlaf nachholen. Der Jetlag ist immer noch nicht ganz überwunden.
Während die Frauen nachmittags zum Shoppen in der Stadt sind beginnt Tito mir seine Hausbar zu erklären Smilie
Samstag, 13.4. Nach kurzem schmerzhaftem Abschied befinden wir uns auf dem Rückflug nach Paraguay.
Das ganze Haus mit Anbauten wurde während unserer Abwesenheit frisch gestrichen, sonst passiert heute nichts Nennenswertes mehr, was im Urlaub ja auch mal sein darf.
Möchte ich an dieser Stelle betonen.
ein kleiner Modellhubschrauber fliegt im Freien, daneben stehen der Pilot und eine Zuschauerin
als Zuschauer kann man dem Treiben entspannt zusehen
Sonntag, 14.4. Damit sich Cousine Julia nicht so allein fühlt besuchen Carmen und ich sie zum Mittagessen. Wir Plaudern den ganzen Nachmittag und nachdem ich hier meinen Modellhubschrauber ausgiebig fliegen konnte bekommt auch Julia eine Funkuhr fürs Büro geschenkt. Nachtrag: die Nachbarskinder haben alle erdenklichen Löcher in der Mauer gefunden um beim Fliegen heimlich zuzusehen. Der Rest der Familie ist nach Ciudad del Este gefahren. 4,5 Stunden im Auto hin, 7 Stunden Aufenthalt und 4,5 Stunden zurück. Den Abend verbringe ich daher alleine zu Hause und beschäftige mich mit Computerdingen. Ach ja, Matias bekommt heute einen kleinen Werkzeugsatz als Geschenk.
eine Nixieuhr zeigt kurz vor 17 Uhr an, der Garten im Hintergrund ist unscharf
Julias neue Uhr
Montag, 15.4. Heute ist es richtig unangenehm: 30°C und Luftfeuchte am Anschlag.
Ich fühle mich heute für die Zubereitung des Mittagessens verantwortlich.
Damit der Nudelsalat diesesmal wirklich wie zu Hause schmeckt befinden sich im Reisegepäck deutsche Majonaise, Knoblauchwurst und Gabelspaghetti.
Wann der Grießbrei und die Knödel den Weg in unsere Mägen finden ist bislang noch offen.
Insgeheim hege ich die Hoffnung, dass der Grieß hier Niemandem schmeckt.
Ich erlaube mir am Nachmittag bei klimatisierten 28°C an diesem Bericht weiterzuschreiben und den Flüssigkeitsverlusst ausgiebig auszugleichen.
geflieste Wand in einem Bad mit montiertem Wasserkasten und Duscharmatur
beachte den modernen Grohe Duschthermostat
Dienstag, 16.4. "Stefan, kannst du mal eben nach dem Wasserspülkasten im Bad sehen?"
Mit solchen Worten kann manchmal ein neues Abenteuer beginnen.
Diesmal bedeutet es nur Dreck, Ärger und Schweiß.
"Der Kasten nimmt kein Wasser mehr auf, man kann das WC nicht mehr spülen."
"Hat vielleicht jemand versehentlich den Absperrhahn für diesen Anbau zugedreht? Wo ist denn überhaupt dieser Hahn?"
Ich sperre den Hahn ab und demontiere den Wasserkasten. Das fällt nicht schwer, hängt er doch sowieso nur noch an einer Schraube.
Diagnose: Dichtung des Einlassventils verrutscht und verhärtet. Jedweden Reparaturversuch beginne ich erst garnicht, weil das Ablaufventil auch nicht mehr dichtet. Alles einlaufende Wasser läuft ungebremst unten raus.
Der Schwiegervater holt den Geldbeutel heraus und Ramon organisiert in 10 Minuten einen neuen Spülkasten. Leider ist es kein baugleiches Modell, so dass ich neue Befestigungslöcher in die Wand bohren muss.
Was in Deutschland so einfach ist, stellt mich hier vor neue Probleme: wo bekomme ich eine Bohrmaschine mit Steinbohrer her?
Verdammt ich muss doch bloß 2 Löcher bohren und ich sollte lediglich wieder Wasser in den Kasten bringen.
Der kleine Matias springt jetzt ein und holt die benötigte Maschine von seinem Opa.
Uff, Glück gehabt.
Nachdem der neue Kasten angebracht und angeschlossen ist bitte ich Matias, den Absperrhahn vorsichtig zu öffnen.
Das tut er auch, beherzt - mit dem Fuß!
Nun läuft oben frisches Wasser in den Spülkasten und unten etwa die gleiche Menge frisches Wasser auf den Boden des Bades.
ICH WERDE WAHNSINNIG.
Toll, den Hahn also wieder zudrehen um größeren Schaden sowie eine überhöhte Wasserrechnung zu vermeiden und Matias eindringlich ermahnen Handabsperrhähne auch nur mit der Hand zu betätigen. Damit sind nun neben Bad und Dusche auch die Küche mit dem Spülbecken trockengelegt.
Wo soll ich denn jetzt einen neuen Absperrhahn hernehmen und wann ergibt sich die Möglichkeit das Wasser im ganzen Haus abzudrehen?
Um mich abzulenken reinige ich das Bad vom Bohrstaub und als ich die Fliesen oben abwische kommt mir eine Handvoll Putz entgegen.
Eine große Handvoll.
Ich habe nun reichlich Zeit mich aufzuregen während ich das Bad gründlich reinigen darf.
Am Abend öffnet Miguel den Wasserhahn und er bleibt fast dicht, ohne dass er irgendwelches Werkzeug oder Ersatzteile dafür benötigt hätte.
Hä?
"Ja Stefan, auch hier in Paraguay dreht man ein Ventil bis zum Anschlag auf und schließt es dann eine halbe Umdrehung. Nicht aber diesen defekten Hahn: diesen hier dreht man bis zum Anschlag auf und versucht dann mit viel Kraft noch veiter aufzudrehen. Aber du hast recht, dieser Hahn muss ersetzt werden, ich werde mich später darum kümmern."
ein Lötkolben, eine Rolle Lötzinn und eine kleine Platine mit Leuchtdioden, die blinken liegen auf dem Holztisch
Lauflicht mit Atmel-Controller
Mit Matias verbringe ich den Nachmittag.
Ich habe elektronische Bauteile mitgebracht um zusammen mit ihm eine kleine Blinkschaltung zu bauen.
Dafür, dass er noch nie einen Lötkolben in der Hand hatte lötet er außerordentlich geschickt, ich programmiere dann noch schnell etwas zusammen und schon haben wir ein nettes Moodlight gebastelt. Der Junge verliert im Verlauf aber schnell die Lust und Aufräumen des Arbeitsplatzes ist natürlich auch nur was für Erwachsene.
Die ersten Gäste für die Feier am Donnerstag sind eben aus Argentinien angekommen und werden mit den üppigen Resten des Nudelsalates versorgt. Nachdem einige Lampen in Vorbereitung auf die morgige Geburtstagsfeier im Garten aufgehangen sind plaudern Miguel und ich bei Rotwein bis in die Nacht.
Elektrohubschrauber schwebt über einem sandigen Boden, rechts steht der Pilot
vergnüglicher Rundflug auf dem Fußballplatz
Mittwoch, 17.4. Heute wird der Piccolo-Hubschrauber erstmalig mit 100% Wasserkraft in die Luft steigen.
Ja natürlich, ein Wasserkrafthubschrauber. Jetzt spinnt er völlig!
Nun, da Paraguay seinen Strombedarf vollständig mit Wasserkraft deckt befindet sich in den Flugakkus 100% Naturstrom aus Wasserkraft.
Somit ist obige Aussage korrekt!
Die Bedingugnen hier auf dem Boltzplatz sind zum Modellflug jedoch recht ungeeignet: Der Platz ist mit Bäumen gesäumt, was unberechenbare Leewirbel erzeugt.
Noch unberechenbarer sind dann nur noch die Schaulustigen.
Ein Mädchen aus dem Pulk Kinder fragt, ob es auch mal steuern darf und greift dann beherzt in die Fernsteuerung.
Nein, nein, nein, so geht das nicht.
Ich verziehe mich mit dem Modell auf die andere Seite des Fußballplatzes.
Da habe ich meine Ruhe.
Matias ist nach 12 Minuten schon wieder langweilig.
Die letzten Reste des Nudelsalates sind soeben in meinem Magen gelandet.
Ich melde mich dann nach der Geburtstagfeier des Schwiegervaters wieder.
Geburtstagskind mit Familie posiert vor der Torte
Don Perfecto bläst unter Beifall die Kerzen aus
Donnerstag, 18.4. Heute ist der Geburtstag von Perfecto, meinem Schwiegervater.
Für die Feier zu seinem 90sten Geburtstag sind nur die engsten Familienangehörigen eingeladen. Damit beschränken sich die Vorbereitungen auf das Organisieren einer Feier für "nur" 70 Personen. Die Gäste sind für 20 Uhr eingeladen und genau dann soll ich die letzten gekühlten Getränke vom Getränkehandel abholen, die nicht mehr in die Kühlschränke passten.
Die Familie begibt sich um 18:30 Uhr in Richtung Kirche.
Die Messe soll gegen 19:30 zu Ende sein.
Es wird 20 Uhr, die Gäste kommen.
Alle Gäste.
Gleichzeitig.
Wo bleiben die Kirchgänger?
Ich bin weder gewillt noch habe ich die Zeit um mit den Leuten zu plaudern, schließlich habe noch zu tun. Mein Hals schwillt etwas an.
Ramon und ich gehen zum Getränkehandel damit sind die Gäste nun sich selbst überlassen.
Um 20:45 Uhr kommen die Gastgeber endlich von der Messe zurück.
Niemand hat sich um den Schokoladenbrunnen gekümmert. Ich baue in dort auf, wo später die Torte und die anderen Nachtische aufgestellt werden.
"Nein, nein, nein, der Apparat muss da hinten auf den Tisch neben die Salate."
Ich verstehe das nicht, sdchweigend versuche mich unauffällig mit Gerät und Verlängerungskabel irgendwie durch die vollen Tischreihen zu schieben.
"So, der Schokobrunnen ist jetzt am gewünschten Platz funktionsbereit."
"Warum steht der denn jetzt auf dem Tisch für die Salate?"
Mein Hals schwillt weiter an.
"Weil du das so gesagt hast."
"Das habe ich nicht."
"Wo möchtest du ihn denn nun gerne hinhaben?"
"Na hierhin, wo die ganzen süßen Sachen sind."
"Gut, ich stelle ihn wieder da auf, wo er zu Beginn schon aufgebaut war und dann werde ich ihn heute nicht mehr anfassen!"
Gute Miene machend hüpfe ich nun wieder vollbeladen durch die Tischreihen und beschließe ab jetzt nur noch Gast dieser Feier zu sein.
Nachdem sich die letzten Gäste gegen 1 Uhr verabschiedet haben, beginnt eine Schwägerin mit dem Aufräumen.
"Doris, lass den Quatsch, setz dich zu uns und erzähl mit uns!"
"Aber morgen hat keiner Lust aufzuräumen, deshalb fange ich jetzt schon mal an."
Das ist nicht zu begreifen: es muss sowieso morgen aufgeräumt werden, denn heute ist das garnicht zu schaffen. Nachtrag: wir haben sogar 2 Tage zum Aufräumen benötigt.

ein Regal im Supermarkt gefüllt mit Insektenvernichtungsmitteln in Sprühdosen und Flaschen
ein beachtliches Sortiment an Insektenvernichtungsmitteln
Freitag, 19.4. Mir gelingt es trotz klappernden Geschirrs, rückender Stühle und schleifender Tischplatten bis 11 Uhr zu schlafen.
Es deutet sich an, dass dieser Tag so einer werden wird, den mann ohne schlechtes Gewissen aus dem Kalender streichen kann.
2 Uhr ist es gestern noch geworden.
Im Fernsehen laufen heute nur Filme mit religiösem Inhalt, ein James Bond oder Stirb langsam als seichte Unterhaltung bleibt ein Wunschtraum.
Ich verziehe mich ein paar Stunden mit dem Laptop und programmiere die Lauflichtschaltung neu, bekomme das aber heute nicht mehr nicht fertig.
Die Mücken werden täglich aktiver.
große mit Backwaren gefüllte Aluminiumboxen im Supermarkt
in der Backwarenabteilung
Samstag, 20.4. So, nochmal 2 Stunden in den Rechner getippt und jetzt blinken und funkeln die Lämpchen wie gewünscht.
Es ist windstill und so kann ich im engen Garten etwas Modellfliegen.
Matias holt seine Drohne, kommt aber kaum 10 cm hoch in die Luft. Wie sich herausstellt ist der Akku leider am Ende seiner Lebensdauer angelangt.
Ich überlege den Akku gegen den Akku aus einem tragbaren Lautsprecher zu tauschen. Matias stellt mir sein Werkzeug zur Verfügung, verliert aber während ich die Akkus überprüfe wieder das Interesse. Gut, dann bleibt eben alles wie es ist. Ich werde aus Deutschland einen neuen Akku herschicken.
Perfecto und ich sind allein zu Hause, die übrigen sind wieder in der Kirche. Wie plaudern ein paar Stündchen, wärend ich mir den Inhalt einiger übriggebliebener Bierflaschen näher ansehe.
Wir befinden uns hier im Herbst, die gleiche Jahreszeit wäre bei uns Mitte Oktober erreicht. Und es ist so schwülwarm, dass der Schweiß überall tropfenweise herabläuft. Bei geringster Anstrengung rinnt er mir fast im laufenden Strahl von der Nase.
Nach dem Duschen versuche ich mich abzutrocknen. Doch trotz geröster Anstrengung gelingt das nicht. Die Haut wird ständig aufs Neue schweißnass.
Sonntag, 21.4. Und wieder laufen dan ganzen Tag ausschließich Programme mit religiösem Inhalt im Fernsehen.
So, was geben denn die Ebooks auf dem Tablet noch her? Bei der Lektüre von Ernst Udets "Mein Fliegerleben" und Anne Francks Tagebuch vergeht langsam der Tag.
Am Abend überraschen wir Myrna und Hector mit einem Spontanbesuch.
Die beiden haben ihr Haus nach langem Zögern an die Fleischwarenfabrik "Ochsi" verkauft und sich in direkter Nachbarschaft eine neues Eigenheim zugelegt. So, wie sich das mir hier und heute darstellt habe sich die beiden dadurch erheblich verbessert.
Bei Computerspielen endet der Tag.
Wird fortgesetzt