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Graupner Bell 47G

Oldie aus dem Jahre 1975



Modell vor der Restaurierung
Modell vor der Restaurierung
Über Ebay bin ich in den Besitz dieses alten Modells von 1975 gekommen.
Damals schon hatte mich das Foto des Modells im Graupner Katalog unglaublich fasziniert. Das Taschengeld als Schüler reichte natürlich für solcherlei Abenteuer lange nicht aus.
Die ersten Schritte in der Modellbauerei machte ich dann 1979 als 14jähriger mit einem Amigo II, der bei meinem Onkel übrig war und den ich mit einer preiswerten gebrauchten RC-Anlage ausrüsten konnte.
Mit dem Einstieg ins Berufsleben stand 1985 erstmals das Geld zur Verfügung um mir den alten Traum der Hubschrauberfliegerei zu erfüllen. Die Graupner Bell 47G war zwischenzeitlich natürlich schon längst aus der Produktion genommen.
Vielleicht war das auch gut so, denn als Anfängermodell ist das Modell wegen der vielen Kunststoffteile und der mangelnden Motorisierung aus meiner Sicht eher ungeeignet.

Nach genauer Inspizierung der Neuanschaffung musste ich leider feststellen, dass sein Zustand sehr schlecht war.
Es fehlten Teile wie z.B.: Lüfterflügel, Schalldämpfer, Vergaser- und Heckrotoranlenkungsteile sowie die Tankattrappen. Praktisch alle rotierenden Teile hatten Schlag aufzuweisen.
Darüberhinaus war die Zelle mit unglaublichen Mengen an Kleber zusammengebaut worden. Ein äusserst laienhafter Anstrich rundete das Bild dann noch ab.

Modell nach der Restaurierung
Modell nach der Restaurierung
Zuerst wurde das Modell komplett zerlegt und eine Bestandsaufnahme der Einzelteile gemacht. Die Wellen wurden gerichtet, fehlende bzw. nicht zu reparierende Teile neugefertigt.
Nachgefertigte Tankatrappen bekam ich von Karl Samaneck, das Lüfterrad entstand aus Aluminium neu und der Schalldämpfer eines HB25 Flugzeugmotors wurde zur "Lärmbekämpfung" verpflichtet.
Die meiste Arbeit stand jedoch mit der Restaurierung der eigentlichen Zelle bevor.
Sie besteht aus 2 miteinander verschraubten Gitterkonstruktionen aus verklebten Kunststoffteilen.
In mühevoller Kleinarbeit wurde der Kleber an jeder Fügestelle des Heckauslegers mit Skalpell, Feile und Schleifpapier entfernt.
Dann habe ich die 3 Aluminiumrohre des Heckauslegers entfernt um die einzelnen Kunstoffteile vorsichtig voneinander zu trennen. Der Kunststoff war trotz seines Alters von 17 Jahren noch so elastisch, dass bei dieser Arbeit, die sich über mehrere Tage erstreckte, kaum etwas zu Bruch ging.
Das Rumpfvorderteil wurde nicht zerlegt, sondern mit den Einzelteilen des Heckauslegers zusammen gesandstrahlt, um die Reste der Farbe zu entfernen. Versuche, dies mit Lösemitteln zu erreichen, verliefen negativ, da auch der Kunststoff angelöst wurde.
Der Motor sah nach Reinigung in Alkohol aus, wie neu. Er war augenscheinlich in seinem langen Leben kaum gelaufen.
Abschliessend konnten alle Teile wieder nach Bauplan (bezogen von Eberhard Hof) zusammengefügt werden.
Das Modell ist dann standesgemäss mit alten Graupner Linearservos ausgerüstet worden, die noch in der Restekiste herumlagen. Die Neulackierung der Klarsichtkanzel und der Tankatrappen steht noch aus.

Das Modell im Flug
der Oldtimer fliegt
Im August 2002 fand der Erstflug im Rahmen des E-Heli-Treffens in Melle statt. Nachdem der Vergaser eingestellt war, konnte ich vorsichtig die ersten kleine Flüge absolvieren.
Das Modell möchte sehr vorrausschauend geflogen werden. Die Steuerreaktionen kommen langsam.
Das liegt an den langsamen Servos, der Drehzahl- und reinen Hillersteuerung des Hauptrotors, des fehlenden Heckkreisels und der eigentlich zu schwachen serienmässigen Motorisierung.
Mit Kreisel und einer besseren Schalldämpferanlage hätte die Bell aber das Zeug dazu mich ganz in ihren Bann zu ziehen.
Nun, das kommt vielleicht noch.
Hinweis: Für ähnliche Projekte bzw. Eigenbauten sind nachgefertigte Tiefziehteile für die Kanzel und die Tankatrappen über Günter Wachsmuth erhältlich.